October 1, 2022

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Mehrere Vorkommen wurden bereits entdeckt. Gefördert wird bislang aber nichts.

Energie

Gerd HÖHLER

Gerd HÖHLER

Mehrere Vorkommen wurden bereits entdeckt. Gefördert wird bislang aber nichts.

Europa ist verzweifelt auf Gassuche. Vor der Mittelmeerinsel Zypern wurden schon vor zwei Jahrzehnten große Gasvorkommen entdeckt, aber gefördert wird bisher nicht. Das hat politische und wirtschaftliche Gründe.

Vor wenigen Tagen meldete die zyprische Energieministerin Natasa Pilides einen „bedeutenden Fund“: 160 Kilometer vor der Südküste der Insel stießen die Energiekonzerne Eni und Total Energies mit ihrem Bohrschiff „Tungsten Explorer“ in einer Tiefe von 2300 Metern unter dem Meeresboden auf ein Erdgasfeld

Ab 2027 soll exportiert werden

Das Vorkommen, das den Namen „Cronos-1“ hat, wird auf mindestens 70 Milliarden Kubikmeter geschätzt, könnte aber nach Expertenmeinung wesentlich größer sein. Eine weitere Bohrung in der Nachbarschaft soll jetzt Klarheit über die Größe des Gasvorkommens bringen.

Cronos-1 ist bereits der vierte Erdgasfund vor Zypern. Schon 2011 wurde im Südosten der Insel die Lagerstätte „Aphrodite“ entdeckt. Ihr Volumen wird auf rund 130 Milliarden Kubikmeter geschätzt. Elf Jahre sind vergangen, aber das Gas lagert immer noch unter dem Meeresboden. Dabei wäre gerade jetzt Erdgas aus einem EU-Land wie Zypern als Ersatz für ausbleibende Lieferungen aus Russland besonders willkommen. 

Zyperns Vorräte sind beträchtlich. Unter dem Strich wurden bisher vor den Küsten der Insel nahezu 600 Milliarden Kubikmeter Gas nachgewiesen. Das entspricht fast dem Sechsfachen der Menge, die Deutschland im vergangenen Jahr verbrauchte.

Energieministerin Pilides ist optimistisch: 2027 werde die Insel mit dem Export von Erdgas aus dem Aphrodite-Feld beginnen. Die Ministerin glaubt auch, Abnehmer zu haben: „Europa ist ein guter möglicher Kunde für zyprisches Erdgas, weil Gas bis 2049 ein Brückentreibstoff bleiben wird“, so Pilides.

Ein brauchbares Konzept fehlt

Größtes Hindernis bei der Ausbeutung der Gasfelder ist der ungelöste Zypernkonflikt. Die Insel ist zweigeteilt, seit die Türkei im Sommer 1974 den Norden der Insel besetzte, um eine befürchtete Annexion durch Griechenland zu verhindern. Ankara erhebt Ansprüche auf Teile der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die Zypern nach der UNO-Seerechtskonvention zusteht, darunter auch auf Block 6, wo jetzt Cronos-1 entdeckt wurde.


Zypern - hier ein Foto von der Hauptstadt Nikosia - hat nach mehr als einem Jahr die Corona-Ausgangsbeschränkungen gelockert.

Im Süden der geteilten Mittelmeerinsel Zypern haben am Sonntag die Parlamentswahlen begonnen. Doch dies hat extremes Streitpotenzial.


Eine Förderung scheiterte bisher aber auch daran, dass Zypern elf Jahre nach dem ersten Gasfund immer noch kein brauchbares Konzept für eine Infrastruktur entwickelt hat. Lange setzte man auf die EastMed-Pipeline. Die 1900 Kilometer lange Leitung sollte Gas aus den Fördergebieten vor Zypern und Israel über Griechenland und Italien ins europäische Netz bringen. 

Die Türkei hat jedoch Einspruch gegen die Pipeline angemeldet, weil sie durch ein Seegebiet führen soll, das Ankara als eigene Wirtschaftszone beansprucht. Auch die Wirtschaftlichkeit des Projekts, das auf sechs bis sieben Milliarden Dollar veranschlagt wird, ist zweifelhaft. Inzwischen gilt das Projekt als gestorben.

Unsichere Lage für Investoren

Damit bleibt nur der Export als verflüssigtes Erdgas (LNG). Pläne für ein LNG-Terminal bei Vassilikos an der Südküste Zyperns wurden schon Anfang der 2010er Jahre erwogen, aber nie umgesetzt. Jetzt wird diskutiert, das Gas aus den Lagerstätten vor Zypern zum LNG-Terminal im ägyptischen Idku zu pumpen, es dort zu verflüssigen und mit Tankern zu exportieren. Auf diesem Weg will auch Israel sein Erdgas exportieren. Dazu müsste man allerdings eine Pipeline aus den Fördergebieten vor Zypern nach Ägypten bauen und die Kapazitäten in Idku erweitern.

Bei allen Entscheidungen für die Erschließung der zyprischen Vorkommen und den Ausbau einer Export-Infrastruktur stellt sich für Investoren die Frage, wie lange Erdgas überhaupt noch genutzt werden soll. Nach den Modellrechnungen der EU-Kommission dürfen im Jahr 2030 maximal 22 Prozent des Bruttoinlandsenergieverbrauchs auf Erdgas entfallen. Ob die in Zypern konzessionierten Konzerne vor dem Hintergrund der EU-Klimaziele bereit sein werden, jetzt Milliarden in eine Gasförderung zu investieren, die frühestens 2027 beginnen kann, bleibt abzuwarten.

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