October 3, 2022

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Bei spanischen Volksfesten sind in diesem Jahr schon zehn Menschen durch Konfrontationen mit Tieren ums Leben gekommen.

Zweifelhafte Unterhaltung

Bei spanischen Volksfesten sind in diesem Jahr schon zehn Menschen durch Konfrontationen mit Tieren ums Leben gekommen.

Von Martin Dahms (Madrid)

Am Montagmittag versammelten sich die Lokalpolitiker vor dem Rathaus von Vallada in der Provinz Valencia zu einer Schweigeminute, die alle Zeitungen später als „bewegend“ beschrieben. Am Vorabend war ein junger Mann gestorben. Die Bürgermeisterin María José Tortosa beschrieb wie: „Der Stier bog in eine Gasse ein, erfasste den Jungen mit seiner Schnauze und trampelte über ihn hinweg, weil er keinen Platz hatte, um an ihm vorbeizulaufen.“ Der 24-Jährige starb kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus. 

Ein paar Stunden stand das Dorf unter Schock, dann wurde weitergefeiert. „Die Stierfeste müssen gemacht werden“, sagte ein Mann zur Erklärung in eine Fernsehkamera von Telecinco. „Diesmal ist es fatal ausgegangen, aber schau …“ Und er zuckte mit den Schultern.

Beliebter Nervenkitzel

Der 24-Jährige wusste, worauf er sich einließ. Er war eigens aus der Nachbarprovinz Albacete angereist, eine gute halbe Stunde Autofahrt, um in Vallada den Nervenkitzel der losgelassenen Stiere zu spüren. Jedes Jahr sterben bei diesen Volksfesten ein paar Männer, manchmal auch Jugendliche, unter den Hörnern oder den Hufen der Stiere. Die Anti-Stierkampf-Plattform „La Tortura no es Cultura“ (LTNEC) hatte bis zur vergangenen Woche acht Tote in ganz Spanien gezählt.

An diesem Wochenende kamen zwei weitere Opfer hinzu, der junge Mann in Vallada und, in der Nacht zuvor, ein 71-Jähriger in Almedíjar, ebenfalls in der Mittelmeerregion Valencia, wo die „Bous al carrer“ besonders beliebt sind. „Bous al carrer“ ist Katalanisch für „Stiere auf der Straße“.

Die Tauromaquia – die Kunst des rituellen Stiertötens, ins Deutsche recht unpräzise mit „Stierkampf“ übersetzt – verliert in Spanien an Zuspruch, aber die Volksfeste mit Stieren nicht. Klassische „Corridas de Toros“ gab es 2019, im letzten Vorpandemiejahr, genau 349, andere Stierkampffeste in Arenen gut 1.000 – und Volksfeste mit Stieren knapp 17.000.

„Hochdosierter Leichtsinn – und Tierquälerei“

Die Stiere sollen Angst verbreiten, das ist der Reiz dieser Feste. Vor allem die Männer sollen ihren Mut beweisen, indem sie sich dem Tier nähern, es provozieren, am Schwanz des Stieres ziehen oder ähnlichen Unsinn mit ihm anstellen. Getötet wird der Stier hinterher beim Schlachter, oder er kommt zurück auf die Wiese.

Eine Besonderheit unter den „Bous al carrer“ ist der „Bou embolat“: Dem Stier werden Metallhülsen auf die Hörner gesetzt, die mit Werg gefüllt sind, das in Brand gesteckt wird. Ein nächtliches Fest „mit besonderem Reiz“, schreibt die Gemeinde Vallada auf ihrer Website über die brennenden Hörner. Als das Regionalparlament von Katalonien 2010 die Stierkämpfe in ihrer Region verbot, verlor es kein Wort über den „Bou embolat“ und die anderen Volksfeste mit Stieren. Die klassischen Corridas sind die Erbauung einer zahlungskräftigen Minderheit; die „Bous al carrer“ sind Ergötzung des (Land-)Volkes. Mit dem legen sich auch die katalanischen Nationalisten nicht gerne an.

Allgemein beliebt sind diese Spektakel in Spanien aber nicht. Als der Sender Telecinco in seiner populären Hauptnachrichtensendung über die jüngsten Todesfälle berichtet, kommentiert der Reporter: „Hochdosierter Leichtsinn – und Tierquälerei.“

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