September 30, 2022

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Jugendliche gefährden mit Motorrad-Akrobatik die Bewohner französischer Städte – nun soll die Polizei hart durchgreifen.

Auf zwei Rädern

Christine LONGIN

Christine LONGIN

Jugendliche gefährden mit Motorrad-Akrobatik die Bewohner französischer Städte – nun soll die Polizei hart durchgreifen.

Von Christine Longin (Paris)

Kenyas Mutter schaut müde in die Kamera. Sie ist Tag und Nacht bei ihrer Tochter, seit die Siebenjährige Anfang August in Pontoise bei Paris von einem Motorradfahrer angefahren wurde und tagelang im Koma lag. Kenya und einer ihrer Freunde sind Opfer der sogenannten Rodeos geworden, bei denen Jugendliche mit Motorrad-Akrobatik die Problemvorstädte Frankreichs unsicher machen.

Kritik an Behörden trotz verschärfter Kontrollen

Der 18-jährige polizeibekannte Täter, der die Kinder schwer verletzte, stellte sich zwei Tage später der Polizei. „Bei diesem Drama gibt es die Verantwortung einzelner, aber auch der Gemeinschaft, denn der Staat weigert sich, den Rodeos dauerhaft ein Ende zu setzen“, kritisiert der Anwalt Raphaël Cabral, der im Auftrag der Mutter Anzeige gegen den Staat erstatten will.

Dabei versucht Innenminister Gérald Darmanin seit Wochen, das Phänomen in den Griff zu bekommen. Im Juni und Juli ließ er rund 8.000 Kontrollen vornehmen und 1.200 Verdächtige festnehmen. Für die nächsten Tage kündigte er für jede Polizeiwache drei Anti-Rodeo-Einsätze pro Tag an.


Tacho, Raser, Straßenrennen

Ihren fahrerischen Übermut mussten zwei Raser am Dienstagabend mit ihrem Führerschein bezahlen.


Die Jugendlichen posten währenddessen weiter Videos ihrer waghalsigen Fahrten: Darauf sind junge Männer zu sehen, die meist ohne Helm und Shirt und mit hochgezogenem Vorderrad durch die Straßen brausen. Im April fuhr eine Gruppe sogar mit Motocross-Maschinen in der Gegenrichtung auf dem Standstreifen der A7. Erst nach einem Monat konnte die Polizei einen der Fahrer festnehmen, der ein Video der Geisterfahrt veröffentlicht hatte.

„Wir sind in einer Vorstadt. Wir sind eingesperrt. Das ist der einzige Moment der Freiheit“, sagte einer der Motorrad-Akrobaten im Radio. In den Banlieues fühlen sich die Jugendlichen vom Rest der Gesellschaft ausgegrenzt. Hochgetunte Motorräder sind für viele die einzige Freizeitbeschäftigung. Die gefühlte Freiheit auf zwei Rädern kann allerdings tödlich enden: In Marseille starb vergangene Woche ein 19-Jähriger, der über sein Fahrzeug die Kontrolle verlor und gegen einen Pfosten prallte.

Aufstand bei Beschlagnahmung von Fahrzeugen

Dennoch wollen sich die Fahrer ihre Maschinen nicht so einfach von der Polizei abnehmen lassen. Im nordfranzösischen Roubaix warfen Jugendliche Steine und zündeten Feuerwerkskörper, nachdem die Polizei zwei Quads beschlagnahmt hatte. Für die Polizisten ist es ohnehin nicht einfach herauszufinden, wem denn die Maschinen gehören. Oft sind die Motorräder geliehen oder werden unter der Hand weitergegeben.


Im April soll der Ampelblitzer auf der Stäreplaz scharf gestellt werden. Eine erste Auswertung der Testphase lieferte indes eine eher ernüchternde Bilanz. Innerhalb von vier Monaten fuhren 6.432 Verkehrsteilnehmer über eine rote Ampel.

Die Zahl der Verkehrsopfer war 2021 rückläufig. François Bausch schreibt diese Entwicklung auch den Blitzern zu.


Bereits 2018 hatte die Regierung die Maßnahmen gegen die Rodeos verschärft, die nicht nur Menschen in Gefahr bringen, sondern auch eine Lärmbelästigung darstellen. Den durchweg männlichen Fahrern drohen nun bis zu fünf Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von bis zu 75.000 Euro.

2021 stieg die Zahl der Verurteilungen der „Asphalt-Rowdys“ um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für die Polizei ist das noch nicht genug: Einige schlagen vor, die Täter ähnlich wie in England zu verfolgen und gezielt anzufahren, um sie so zu Fall zu bringen. Bisher sind solche Verfolgungsjagden aber noch verboten.

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